Strategien gegen Stress
"Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Urteile
und Meinungen über sie." Epiktet (50 - 138 n. Chr.)
Jeder kennt das Gefühl gestresst zu sein, denn Stress ist eine natürliche
Reaktion des Körpers auf Spannung, Druck oder Veränderung. Eine gewisse
Dosis an Stress kann das Leben interessanter und abwechslungsreicher machen.
Zu viel Stress jedoch kann schädlich sein und Krankheiten oder Unfälle
verursachen. Nach dem Konzept von Hans Selye wird der Stress deshalb eingeteilt
in positiven "Eustress" und sich negativ auf den Menschen auswirkenden
"Disstress". Dabei sind die Stressoren - die Verursacher des Stresses
- nicht grundsätzlich einer der beiden Varianten zuzuordnen, sondern sind
stark abhängig von der Bewertung durch den Betroffenen. Entscheidend ist
es, die individuellen Stresssymptome zu erkennen, um wenn nötig Schritte
gegen schädlichen Stress unternehmen zu können.
Die bisweilen ausgeprägten körperlichen Symptome die Stress beim Menschen
hervorrufen kann, stammen entwicklungsgeschichtlich aus einer Zeit, in der eine
adäquate Reaktion auf einen akuten Stressor entscheidend war, um zu überleben.
Körperliche Symptome sind physische Reaktionen wie...
- Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet,
- das Herz arbeitet schneller und kräftiger,
- der Blutdruck steigt,
- die Muskulatur spannt sich an,
- die Pupillen weiten sich,
- der Schweiß bricht aus,
- die Leber schüttet Energie (Glykogen) aus,
- die Schmerzwahrnehmung wird reduziert,
- die Verdauung wird verlangsamt und das Blut aus den Bauchorganen abgezogen,
- das Immunsystem wird gebremst,
- Sexualität wird uninteressant und
- das Gehirnaktivität beschleunigt sich
Kognitive Reaktionen
- Aufpuschende Gedanken und Selbstgespräche oder umgekehrt
- Denkblockaden, Konzentrationsmange und Gedankekreise
Emotionale Reaktionen
- Gefühle aus den Grundmustern Angriff/Aggression oder
- Flucht/Angst und Hilflosigkeit
Heute ist diese Vorbereitung des Körpers auf "Angriff oder Flucht"
der aktuellen Situation oftmals nicht angemessen. Besteht dieser Zustand über
eine längere Zeit entwickelt sich häufig chronischer Stress, der sich
zusätzlich in vielen weiteren Symptomen äußern kann. Häufig
sind Verspannungen, depressive Verstimmungen und eine erhöhe Anfälligkeit
gegenüber Krankheiten.
Der erste Schritt muss es nun sein, den Stress als solches wahrzunehmen und
die Umstände zu bestimmen, die ihn auslösen und verstärken. Gelingt
das können wir uns in einem zweiten Schritt mit Strategien gegen Stress
auseinander setzen. Die Lösung ist natürlich immer individuell etwas
verschieden, jedoch gibt es einige Grundprinzipien die häufig erfolgreich
wirken.
Stopp-Strategie
In einer Situation die sie stresst stoppen Sie sich selbst mit einem einfachen
Kommando - leise oder laut - und unterbrechen Sie so einen beginnenden Zyklus
negativer Gedanken. Besonders geeignet ist dieser Ansatz für Situationen,
die sich gehäuft ergeben. Ist der erste Ärger gestoppt hilft eine
weitere Strategie, die
Argumentations-Strategie
Wie schon zu Beginn zitiert, basiert unsere Bewertung einer Situation häufig
auf eingefahrenen Vorstellungen und Denkmustern und führt so fast zwangsläufig
zu einem Ärger-Automatismus. Ergibt die innere Analyse, dass Sie Recht
haben, stehen Sie dazu. Das Durchsetzen der eigenen Wünsche ist nichts
Negatives.
Behauptungs-Strategie
Raucht Ihr Kollege im gemeinsamen Büro trotz wiederholter Bitte es nicht
zu tun, so macht es mehr Sinn, ihm die eigene Position zu schildern und nach
eine gemeinsamen Lösung zu finden, als wenn ihn nur mit Vorwürfen
zu überhäufen.
Ablenkungs-Strategie
Lenken Sie sich bewusst ab, wenn Ärger in Ihnen aufsteigt. Konzentrieren
Sie sich auf eine völlig andere Tätigkeit und betrachten Sie danach
die Situation noch einmal mit etwas Abstand.
Aus dem Weg gehen
Viele stressige Situationen beruhen zumindest teilweise auch auf eigenen Verhaltensmustern.
Weihnachten ist bekannter Maßen jedes Jahr am 24.12., dennoch wird ein
Großteil der Geschenke häufig im allerletzten Moment besorgt. Ähnlich
verhält es sich mit Prüfungsterminen. Ist dies jedoch nicht Fall,
ist es manchmal am besten der stressigen Person oder Situation auszuweichen.
Diese Strategien stellen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt der möglichen
Verhaltensoptionen in einer stressigen Situation dar. Der selbstverschuldete
Stress lässt sich durch eine klare Strukturierung besser vermeiden. Das
Stichwort in diesem Zusammenhang lautet:
Zeitmanagement
Verplanen Sie im Regelfall beispielsweise nicht mehr als etwa 60% Ihrer täglichen
Arbeitszeit. Es ereignen sich fast immer etwas Unerwartetes (ein Anruf, ein
unerwarteter Termin, ein Stau, etc.), so dass es bei zu knapper Zeitplanung
automatisch zu Stress kommt.
Der Ex-US-Präsident Dwight D. Eisenhower nutzte ein Entscheidungsraster
mit den Kriterien Dringlichkeit und Wichtigkeit.
Dabei werden Arbeiten, die dringend und wichtig sind eigenhändig und sofort
erledigt (A-Aufgaben). Ist etwas von hoher Wichtigkeit, jedoch nicht so dringlich,
sollte der Zeitpunkt terminiert werden an dem die Aufgabe erledigt wird oder
man delegiert sie (B-Aufgaben).
Arbeiten von geringer Wichtigkeit und hoher Dringlichkeit sollten delegiert
oder nachrangig bearbeitet werden (C-Aufgaben).
Ist etwas von geringer Dringlichkeit und Wichtigkeit wandert es am besteht direkt
in den Mülleimer.
Abschließend sei noch an einen bekannten Spruch erinnert, der bestechend
einfach die ideale Formel im Umgang mit Stress widerspiegelt:
Gib mir den Mut, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
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Autor: Dr. med. Markus Klingenberg
Arzt, Diplom Fitness-Trainer, Personal Trainer